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Interview mit Roberto Freire (KNAX) vom 21.11.2013:


Roberto Freire wurde 1970 geboren. Seit 24 Jahre ist er nun als Kreativer selbstständig. 2004 startete er seine Arbeit für das KNAX-Magazin der Sparkassen.

Link zu Roberto Freires Facebook-Seite: https://www.facebook.com/robertofreireart


werbecomics.info: Wie war eigentlich Dein persönlicher Bezug zu KNAX?

          Kanntest Du KNAX auch schon aus Deiner Kindheit?

Roberto Freire: Nein, ich hatte keinen Bezug zu KNAX, dafür aber meine Frau.

    Sie sagte mir: "Boah, das kenne ich aus meiner Kindheit, das ist ganz

    toll." So fing ich an mich dafür zu interessieren.


werbecomics.info: Wie kam es denn eigentlich zu Deiner Mitarbeit an KNAX?

Roberto Freire: Ich bekam ein Anruf von einem Redakteur des Deutschen Sparkassen

   Verlags. Der kannte meine Arbeiten, die ich für den Dino-Verlag (MAD)    gemacht hatte. Die Anfrage für so eine große Serie arbeiten zu können    war sehr verlockend. Da ich aber zeitlich mit den damals bestehenden    Kundenstamm stark eingespannt war und die Masse der gewünschten    jährlichen KNAX-Illustrationen für mich kaum zu bewältigen gewesen    währe, lehnte ich anfangs ab.Glücklicherweise kam einige Zeit später    wieder ein Anruf des Verlags. Ich ergriff im zweiten Anlauf doch die    Gelegenheit, Probezeichnungen anfertigen zu dürfen. Der erste    persönliche Termin beim DSV verlief sehr positiv und so fing die    Zusammenarbeit an.


werbecomics.info: Aber jetzt hast Du dich ja richtig eingearbeitet und kannst dir

   wahrscheinlich gar nichts anderes mehr vorstellen?

Roberto Freire: Ja, man wächst da rein. Ich fühle mich inzwischen sehr mit KNAX

   verbunden. Ich mach das ja jetzt auch schon 10 Jahre.

   Es macht nachwievor Spaß ein Teil der KNAX-Familie zu sein.


werbecomics.info: Wie ist das KNAX-Zeichen-Team zusammengekommen.

Roberto Freire: Meine erste Aufgabe war es, exzellente Illustratoren zu finden.  

   Es haben sich wirklich viele Leute beworben. Nach langem Aussieben

   haben wir uns für Boris Zatko und Ulf Graupner entschieden, denn

   wir wollten unbedingt Profis haben, mit denen man langfristig    zusammenarbeiten kann.

   Zum Schluss kam noch der Franz Gerg hinzu, ein Glücksfall, ich hätte    keinen besseren Zeichner finden können. ER hat den  perfekten    "KNAX-Strich".

 

werbecomics.info: Ich glaube das erste KNAX-Cover hast Du noch gezeichnet?

Roberto Freire: Stimmt. Anfangs habe ich noch viele KNAX-Zeichnungengemacht.

   Aber der Franz Gerg toppt die Qualität meiner Arbeiten.

   Daher habe ich ihn  für die Cover-, Kalender- und diverse andere

   Illustrationen bestimmt. Ich habe den Part der Koloration seiner

   Zeichnungen übernommen. 


werbecomics.info: KNAX, das ist ja ein riesiges Aufgabenfeld. Was es da alles

   gibt: Die Hefte, Kalender, Merchandising-Artikel. Es gibt ja

   sogar ein KNAX- Puppentheater.

Roberto Freire: Ich bin auch noch nach einem Jahrzehnt erstaunt wie viele

    verschiedene Artikel und Produkte es gibt.


werbecomics.info: Im Jahr 2004 - in Deiner Anfangszeit bei KNAX - gab es einen

   Relaunch der Hefte. Inwieweit hat es dort tatsächlich

   konzeptionelle, technische oder inhaltliche Änderungen

   gegeben?


Roberto Freire: Inhaltlich wurde bewusst wenig verändert. Es gab natürlich einen

    neuen Autor, den Götz Bachmann. Der hat aber die KNAX-Welt so

    weitergeführt, wie man sie auch vorher schon gekannt hat.

    Er hat dabei seine eigene Handschrift und dadurch erhalten seine

    Geschichten natürlich eine Eigenständigkeit. KNAX lebt ja davon

    generationenübergreifend zu sein, sodass auch noch die Eltern,

    wenn Sie die KNAX-Hefte ihrer Kinder anschauen, sagen können:

    "Ja genau, so lief das auch damals immer in den Geschichten ab",

    oder "Stimmt, das hier sind Didi und Dodo, und auch die anderen     Figuren kenne ich alle noch". Diese Tradition der Wieder-     erkennbarkeit, das ist ein wichtiger, ein sehr starker Punkt, den wir alle     versuchen beizubehalten. Wir wollen also nicht zu viel, nicht zu schnell     etwas verändern. Daher sind wir auch ganz vorsichtig darin, moderne     Mittel, wie Computer, Motorräder oder Maschinen die normalerweise     nicht in dieser KNAX-Welt auftauchen, vorkommen zu lassen, um nicht     mit dieser urtümlichen, traditionellen Welt zu brechen.

 

werbecomics.info: Also ist die Wiedererkennbarkeit eine wichtige Sache.

          Ich habe mich nämlich beim letzten Heft (6/2013) ein wenig

   gewundert: Da gelangen die KNAX-Figuren durch ein Bild in

   ein Museum der realen Welt. Hier spielt dann auch ein bis      

   dahin nicht bekannter Museumswärter ein Rolle.

Roberto Freire: Natürlich kommen in den KNAX-Geschichten auch mal irgendwelche

    Piraten vor, oder andere Menschen oder humanoide Figuren, oder

    auch Tiere, die auch ein andermal vorkommen können. Wie im Fall

    des Museumswärters. Da war es wirklich so, dass die KNAX-Figuren

    durch dieses Bild in eine Parallelwelt wandern konnten und dort auf

    eine neue Person traf. Aber sowas kommt dann eher selten vor.

 

werbecomics.info: Also war das doch eine Ausnahme. Ich hatte schon vermutet,

   dass man dieses "Dimensionsportal" vielleicht als Aufhänger

          nutzen würde, um den KNAX-Kosmos in die "wirkliche" Welt

          zu schleusen.

Roberto Freire: Das ist nicht geplant. Es kann aber vorkommen, wenn es die       

   Geschichte verlangt und Götz eine coole Idee umsetzen möchte

 

werbecomics.info: In technischer Hinsicht hat sich aber doch etwas geändert.

   Wird jetzt mehr am Computer gearbeitet als früher? 

Roberto Freire: Damals bei COMICON war es so, dass die Bilder mit der Hand

    gezeichnet und koloriert wurden. Die fertigen Seiten wurden dann

    erst im Nachhinein eingescannt, und mit den Texten versehen.

    Heute werden die Schwarzweißzeichnungen noch immer traditionell

    erstellt: Gezeichnet und getuscht. Diese werden dann für die

    Korrekturphase eingescannt und am Computer koloriert. Das ist ein

    Riesenvorteil. Man kann viel schneller Veränderungen vornehmen.

    Zum Beispiel, wenn man eine Szene dunkler oder heller haben

    möchte, oder wenn man weniger oder mehr Schnee oder Regen haben

    möchte, etc.. Solche Änderungen kann man am Computer viel

    schneller durchführen. Das ist besser , als das Bild neu zeichnen, oder

    neu kolorieren zu müssen. Es ist also produktiver und garantiert     dadurch auch eine höhere, gleichbleibende Qualität.

 

werbecomics.info: Der letzte Relaunch liegt ja fast 10 Jahre zurück.

    Ist da etwas Neues in Sicht?

Roberto Freire: Ja, nächstes Jahr. Ich glaube, ich darf schon verraten, dass eine neue

    Figur eingeführt wird. Es wird ein Papagei sein, ein Ara. Das Schöne

    ist halt, dass der alles nachplappert. Dadurch entstehen später in den

    Comics ganz lustige Situationen. Aber er hat noch keinen Namen.

 

werbecomics.info: Das erinnert ja an die der Einführung von Didi und Dodos'

    Eichhörnchen" Kiki", da können dann die Kinder...

Roberto Freire: Genau! Die Kinder dürfen dann in einer Ausgabe einen Namen wählen.

    Der wird dann ausgelost und die Kinder können etwas gewinnen.

    Also für 2014 ist einiges geplant. Es wird auch viele Veranstaltungen

    geben, z.B. auch, dass Schulklassen Zeichenkurse gewinnen können,

    etc.

 

werbecomics.info: Wie wird mit Leserbriefen, oder Leservorschlägen

    umgegangen.  Werden solche auch manchmal in die

    Geschichten eingearbeitet? 


Roberto Freire: Das läuft über die Redaktion. Ich weiß, dass die Jenny Trautmann

    und die Christine Thibaut Leserreaktionen lieben,und darauf mit viel

    Freude eingehen. Vielleicht wird da mal was umgesetzt. Aber

    eigentlich ist der Autor, der Götz Bachmann, dafür zuständig. Er      entwickelt Vorschläge der kommenden Geschichten, diese werden

    dann von der Redaktion ausgewählt.

 

werbecomics.info: Gibt es eigentlich ein Jahreskonzept für KNAX. Also sind die

    Themen für ein Jahr vorgegeben? Ein Heft dreht sich ja immer

    um Weihnachten.


Roberto Freire: Es gibt natürlich jedes Jahr die obligatorische Weihnachtsgeschichte.

   Auch versuchen wir für Kinder aktuelle spannende Themen, wie zB.

   eine Fußballweltmeisterschaft zu thematisieren, alle anderen    Geschichten sind nicht festgelegt.

 

werbecomics.info: Welche Tabus gibt es in KNAX-Geschichten? Alkohol?    

    Gewalt?

Roberto Freire: Wir haben eine sehr junge Leserschaft. Auf die müssen wir aufpassen.

    Daher wollen wir die heile Welt von KNAX bewahren.

    Wir könnten mehr Gewalt darstellen, blutrünstiger sein und vielleicht

    auch moderner werden, - wendiger - Aber das ist nicht das, was wir

    wollen. Es gibt heute so viele Einflüsse auf die Kinder. Durch Mangas

    und andere Comics, Fernsehen, Kinofilme, Internet, Computerspiele,

    Apps und so weiter. Und da ist Gewalt ganz großgeschrieben. Und

    genau das wollen wir nicht. Dadurch stechen wir eigentlich auch

    heraus.


werbecomics.info: Es scheint mir tatsächlich, dass KNAX noch gewaltloser als

   früher geworden ist. In den alten Geschichten wurden die

   Fetzensteiner noch von Backbert, Steuerbert und Ambros

   unter Einsatz von Keulen und Hämmern bestraft.

Roberto Freire: Es verbirgt sich der Wunsch dahinter, diese heile (KNAX-) Welt

    aufrecht zu erhalten. Und so soll es in zehn Jahren und hoffentlich

    noch länger auch weiterhin sein. Die Eltern unserer Leser können sich

    immer darauf verlassen, dass ihre Kinder in der Zeit, in der sie die

    Comics lesen, in dieser heilen Welt mit KNAX Spaß haben können.

 

werbecomics.info: Wenn Du einmal KNAX-Autor sein dürftest. Wie sähe Deine

    KNAX- Geschichte aus.

Roberto Freire: Wow, das ist eine Frage. Es wäre kein Abenteuer. Ich würde vielmehr

    auf die Personen eingehen . Zum Beispiel auf Walter Wildfang oder

    Feelicia, Piere Kattun, aber auch Brundhold, Langbart oder Zipfel.

    Gerade auf die Figuren, die nicht ständig im Vordergrund stehen.

    Es gibt so eine komische Geschichte vom Marsupilami: "Das Nest im

    Urwald". Da passiert eigentlich nix Dolles. Da gibt es kein großes

    Abenteuer, aber man erfährt hier zum ersten Mal mehr über das

    Marsupilami selbst. Die Figur des Marsupilamis ist das eigentliche

    Thema der Geschichte. So etwas fände ich für eine KNAX-Geschichte

    toll. Wenn es einmal nur um eine Nebenfigur gehen würde. Das fänd

    ich super. Ich glaube meine Lieblingsfigur von den Nebenfiguren ist

    mittlerweile Walter Wildfang. Ich finde den irgendwie cool.

    Ich würde über seine Vorgeschichte gerne mehr erfahren.

 

werbecomics.info: Na, dann danke ich Dir für das Interview, möchtest du

   abschließend noch etwas sagen?


Roberto Freire: Ich hatte mal so ein überwältigendes Erlebnis: Das war ziemlich am

    Anfang meiner KNAX- Laufbahn. Ich war auf einer KNAX-Veranstaltung

    mit 2.000 KNAX- Kindern. Ich habe vor Ort Karikaturen der Kinder in

    den KNAX-Kostümen gezeichnet. Da habe ich zum ersten Mal gespürt,     wie die Kids auf KNAX abfahren. Wahnsinn! 

 

werbecomics.info: Das ist ein schönes Schlusswort. Dann bedanke ich mich ganz

    herzlich für das Interview.

Roberto Freire: Ja, nichts zu danken. Hat mir Spaß gemacht.